Mein ES ernährt sich von Nahrungsmitteln.
Mein ICH ernährt sich von Bestätigung.
Mein ÜBER-ICH ernährt sich von Musik.
Aber mein ES wird sterben, wenn ich es nicht mehr füttere. Mein ICH wird sterben, wenn ich es nicht mehr füttere. Und mein ÜBER-ICH wird sterben, wenn ich es nicht mehr füttere.
Aber zum Sterben bin ich einfach noch zu jung. Also geb ich mir noch 40-50 Jahre Zeit...
Christlich würde man vielleicht sagen, dass zuerst der Christus in mir erkannt werden muss, Zennies sprechen ganz unspektakulär von Erwachen, meinen aber nichts anderes (nennen würden sie es so aber natürlich nicht). Buddhisten allgemein würden von Buddhanatur sprechen.
Aber wie auch immer das genannt wird, je nach Tradition und Kultur, die konkrete Erfahrung ist unerlässlich für eine Entscheidung.
Fraglich für mich, ob man eigentlich von Entscheidung sprechen sollte. Was gibt es schon zu entscheiden, wenn ich erkenne keine Wahl zu haben... Was für eine Wahl wäre das, wenn ich mich zwischen Freude und Leiden entscheiden sollte? Müsste man doch ganz schön blöd sein...
Nun ist es aber nicht immer und für alle so klar und eindeutig. Vielleicht darf ich sogar sagen, das ist doch eher selten. Und vor allem ist die Konsequenz erst mit der Zeit beurteilbar. Wie oft muss man die Einfachheit leben und schätzen lernen, bis eine recht klare Erkenntnis darüber besteht, dass sie es ist, die zu einem erfüllten Leben führt?
In "meiner" Tradition gibt es einen "Erinnerer" und ich habe miterlebt wie nötig/hilfreich der immer wieder ist. Einfach, weil Einfachheit und Selbstreflektion immer wieder vergessen werden, die Ablenkungen durch sensationelle Erlebnisse immer wieder den Fokus beanspruchen.
Sicher wächst auch Erfahrung, und so gibt es Zeiten, in denen es leichter ist als zu anderen Zeiten. Unterstützung von aussen ist doch dürftig, ohne sie wäre alles noch schwieriger...
Allein schon zu erkennen, wer "auf seinem Weg ist" und wer nicht, ist nicht wirklich leicht. Je nach der eigenen Kultur kann das sogar ziemlich schwierig sein. Ich habe schon mit Theologen gesprochen, die durch ihre Bildung ziemlich blind geworden waren. Und auch hier habe ich schon "gebildete" Buddhisten erlebt, deren Gedanken mehr um Theorien kreisten als um Erfahrungen, so dass auch sie oft reichlich blind auf mich wirkten.
Wie mein Lehrer gern sagte: Es ist einfach, aber es ist nicht leicht...
(Der Widerspruch zu "nimm meine Last, die ist leicht" ist rein verbal...)
Gruß
mipooh