Veronika_K:
Immer wieder aktuell. Die Härte des s. g. Zen, den sich viele auf ihre Fahne schreiben, entspricht weder den buddhistischen Silas noch der abendländischen Ethik. Sie passt sich jedoch dem allgemeinen Trend der Sittenverrohung an, oder aber sie kommt in gewissen Gruppen durch religiös determinierte Ideologien in einer mehr gesteigerten Form als bei der Durchschnittsbevölkerung vor. Die Suche nach "sich Selbst" unter dem Aspekt der Eigennützigkeit kann in eine Orientierungslosigkeit ausarten, die das Gegenteil von Wissensklarheit darstellt, welche sich üblicher weise als Ergebnis einer jahrelangen Praxis von selbst einstellen würde. Wenn unliebsame Eigenschaften der eigenen Persönlichkeit nach außen verlagert und auf dieser Grundlage andere Menschen für eigene innere Konflikte verantwortlich gemacht werden, sind Rückschritte unausweichlich. Das Prinzip des Nichtverletzens, das für die eigene und gemeinsame Praxis eine entscheidende Rolle spielt, scheint bei einer falsch verstandenen Zen-Theorie als Untugend zu gelten. Dem sozialen Umfeld wird eigene Unfehlbarkeit als Fassade und das Recht auf Zurechtweisungen vorgehalten. Das ist ein bedauernswerter Irrtum. Relative Wahrheit unterliegt immer einer individuellen Auffassung, und ein gemeinschaftlicher Konsens ist ein wichtiger Teil der Praxis und deshalb essenziell. Wer dem Gruppenzwang unterliegt und nach dem Prinzip - lieber benehme ich mich als der Letzte als mal selbst ein Betroffener in der Gruppe zu sein - operiert, dem sei gesagt, dass neurotische, d. h. ego-bezogene Angst viele Gestalten annehmen kann, und dass wer ihr nicht rechtzeitig und konsequent entgegen wirkt um ihre Strukturen aufzulösen, in der Zukunft mit keiner spontanen Besserung, sondern ganz im Gegenteil mit einer immer weniger durchschaubaren Verflechtung der Ursachen und Wirkungen und demnach einer verstärkten Symptombildung zu rechnen hat. Seid also clever und beugt einer buddhistischen Psychose vor indem ihr generell nett und hilfsbereit seid. Außerdem - wer von uns kann hundertprozentig sagen, dass er selbst nicht irgendwann in Not geraten kann, und durch Unliebsamkeit anderer dann vielleicht einen viel größeren Schaden erleiden muss als sonst vonnöten gewesen wäre.

http://www.buddhanetz.org/texte/ethik.htm