Beim echten Zen geht es um die heiße, zielgerichtete Jagd nach Erleuchtung. Um die kürzeste Wegstrecke zwischen Schlaf und Erwachen. Ohne Regeln, ohne Zeremonien, ohne Lehrgebäude, es geht einfach nur um den dreckigen, blutigen Kampf ums Erwachen. New Zen - jene Sorte Zen also, die ganze Verlagshäuser und Handelsunternehmen am Leben hält - hat mit Schlafen-und-möglichst-nie-Erwachen zu tun.

ZEN begegenet uns heute im täglichen Leben fast an jeder Ecke, auch die Werbeindustrie hat erkannt, das mit dem ZEN viel Geld zu verdienen ist und so wird die eigentliche Botschaft von ZEN immer mehr verwässert.

Was früher bei den alten ZEN-Meistern wie Boddhidharma oder Tschuang-Tse das Wichtigste war, nämlich den Schüler auf dem kürzesten Weg zum Erwachen zu führen, und zwar ohne Tradition und Rituale, sondern vor allem durch das Kreeiren von absurden Situationen, die die Schüler aus dem Verstand ins Jetzt geholt haben, ist gar nicht mehr das Thema. Entweder werden auf traditionelle Weise ZEN-Rituale gelernt und Meditation vertieft um so das Gefühl zu bekommen ein besserer Mensch zu sein oder aber man verfällt den Verlockungen des spirituellen ZEN-Marktes, der mit Weisheitsbüchern, ZEN-Produkten allerlei Schicki-Micki um die Ecke kommt.

Wahrhaftige ZEN-Meister die Schüler aus Ihrem Schlaf wachrütteln und Sie so unterstützen das Erwachen auch geschehen kann, gibt es so gut wie garnicht. Auf der Suche nach einem wahren ZEN-Meister ist es nicht wichtig aus welcher Linie oder Tradtion ein ZEN-Meister kommt, ob er besonders heilig wirkt oder die richtige Kleidung trägt. Das einzige was wichtig ist, das er/sie authentisch ist, denn das ist es, was einen ZEN-Meister ausmacht. Das Weitergeben von Traditionen und Wissen, ist eher eine Lehrergeschichte, aber noch keinen zum Erwachen gebracht. 10 Jahre meditiert, aber kein Transformation, nur eine Ehrenrunde im gleichen Bewusstseinsstadium.

Anbei ein Text Jed McKenna, aus dem Buch Verflixte Erleuchtung, der aus meiner Sicht die Dinge so darstellt, wie sie heutzutage sind:

Jed McKenna sagt*: ,,Es gibt zwei Sorten von Zen", sage ich. "Die eine Sorte Zen verkauft Bücher, Miniatur-Sandgärten und Schönschreib-Sets und kleine Buddha-Statuen. Die andere Sorte Zen hat was mit Erleuchtung zu tun." "Den kleinen Sandgarten", gesteht sie mit-verschämtem Grinsen habe sie gekauft. "Und eine Statue von Hotei, dem lachenden Buddha." "Nein, richtiges Zen ist das nicht Mehr so eine hübsche Kusine vom richtigen Zen. Richtiges Zen ist nicht hübsch, und man braucht auch keine Bücher dazu." So sieht die Sache aus, kurz und bündig formuliert. Ich möchte Jolenes neues Hobby nicht gleich so niedermachen, aber mit Zen verbindet mich eine echte Hassliebe - genauer gesagt, liebe ich Zen und hasse New Zen. Beim echten Zen geht es um die heiße, zielgerichtete Jagd nach Erleuchtung. Um die kürzeste Wegstrecke zwischen Schlaf und Erwachen. Ohne Regeln, ohne Zeremonien, ohne Lehrgebäude, es geht einfach nur um den dreckigen, blutigen Kampf ums Erwachen.

New Zen - jene Sorte Zen also, die ganze Verlagshäuser und Handelsunternehmen am Leben hält - hat mit Schlafen-und-möglichst-nie-Erwachen zu tun. Klar mit diesen Worten laufe ich Gefahr, mir den Zorn alljener Friede-Freude-Eierkuchen-Enthusiasten zuzuziehen, die glauben, Zen sei etwas, das man sich anlesen, dann praktizieren und worin man es zur Meisterschaft bringen könne; so als wäre Zen ein Hobby oder eine Religion oder eine gesellschaftliche Aktivität; als wäre Zen etwas, das man zusätzlich zu anderen Dingen machen könnte; als ginge es beim Zen darum, geistvoll oder geistlos oder anwesend oder still zu sein. .

Wenn sie jedoch wirklich am Erwachen interessiert sind, dann sollte genau jene eingeschnappten Zen-Freaks dankbar sein für meinen Weckruf, denn schließlich waren sie "es doch, die ursprünglich eine Reise machen wollten, dann aber von der hübschen Zen-Kusine dazu überredet wurden, auf ihrem Hintern sitzen zu bleiben und nirgendwo hinzugehen. Der entscheidende Prüfstein ist auch hier die Frage: Wie viele Erleuchtete? Ohne Wenn und Aber! Andere Ziele und Vorzüge interessieren nicht im Geringsten! Wo ist das Fließband, an dessen Ende die vielen Erwachsenen stehen? Die hässliche Sorte Zen hat weIche vorzuweisen, das schmucke Zen nicht. Fertig, aus.

*Auszug aus dem Buch Verflixte Erleuchtung: Als Schmetterling unter Raupen von Jed McKenna